Nach der Pflaumenernte ist die Arbeit im Obstgarten noch nicht ganz vorbei. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, den Baum genau zu betrachten und seinen Zustand zu beurteilen. Beschädigte, kranke oder ungünstig wachsende Zweige können die Krone unnötig verdichten und den Baum langfristig schwächen.
Doch Vorsicht: Ein Pflaumenbaum sollte nicht einfach radikal zurückgeschnitten werden. Entscheidend ist, welche Zweige tatsächlich entfernt werden müssen und welche besser erhalten bleiben.
Warum lohnt sich die Kontrolle nach der Pflaumenernte?
Während der Ernte werden häufig Zweige sichtbar, die vorher von Blättern und Früchten verdeckt waren. Nach dem Pflücken lässt sich die Krone viel besser beurteilen.
Jetzt können Sie erkennen:
- welche Äste beschädigt sind,
- wo sich abgestorbene Zweige befinden,
- welche Triebe nach innen wachsen,
- welche Äste die Krone zu stark verdichten,
- wo sich unerwünschte Wasserschosse entwickelt haben,
- ob Anzeichen von Krankheiten oder Schädlingsbefall vorhanden sind.
Eine übersichtlichere Krone bekommt mehr Licht und Luft. Das kann die allgemeine Gesundheit des Baumes unterstützen.
Diese Zweige sollten besonders beachtet werden
1. Abgestorbene und stark beschädigte Zweige
Trockene, abgestorbene oder gebrochene Äste sollten nicht unnötig am Baum bleiben. Sie erfüllen keine wichtige Funktion mehr und können je nach Situation Eintrittspforten für Krankheitserreger darstellen.
Beschädigte Äste sollten sauber bis zum gesunden Holz zurückgeschnitten werden.
2. Nach innen wachsende Triebe
Zweige, die stark in das Innere der Krone wachsen und sich mit anderen Ästen kreuzen, können die Krone unnötig verdichten.
Dadurch wird die Luftzirkulation schlechter und weniger Licht erreicht das Innere des Baumes.
Solche Triebe können bei einem maßvollen Erhaltungsschnitt entfernt werden.
3. Sich kreuzende Äste
Wenn zwei Äste ständig aneinander reiben, können kleine Verletzungen an der Rinde entstehen.
Besonders ungünstig sind Äste, die sich gegenseitig behindern oder aneinander scheuern. Hier sollte geprüft werden, welcher Zweig sinnvoller positioniert ist und welcher entfernt werden kann.
4. Starke Wasserschosse
Nach kräftigen Schnitten oder bei starkem Wachstum können sogenannte Wasserschosse entstehen. Sie wachsen häufig steil nach oben und bilden viel Blattmasse, tragen aber nicht immer entsprechend viele Früchte.
Nicht jeder dieser Triebe muss automatisch entfernt werden. Entscheidend ist seine Position und die gewünschte Form der Krone.
Nicht zu viel auf einmal schneiden
Ein häufiger Fehler besteht darin, nach der Ernte sofort große Mengen Holz zu entfernen.
Ein Pflaumenbaum sollte nicht ohne guten Grund stark zurückgeschnitten werden. Ein maßvoller Schnitt ist meist besser als ein radikaler Eingriff.
Wenn nur wenige ungünstige Zweige vorhanden sind, reicht es häufig, genau diese gezielt zu entfernen.
Bei älteren oder stark vernachlässigten Bäumen sollte ein größerer Erziehungsschnitt besser über mehrere Zeitpunkte verteilt und fachgerecht geplant werden.
Warum Licht und Luft so wichtig sind
Eine zu dichte Krone kann problematisch sein. Blätter und Früchte trocknen nach Regen oder Tau langsamer ab, während gleichzeitig weniger Licht in das Innere gelangt.
Eine gut aufgebaute Krone sorgt dagegen für eine bessere Verteilung von Licht und Luft.
Das ist besonders für die Fruchtqualität wichtig, denn gut belichtete Bereiche können die Reifung der Früchte unterstützen.
Auch auf Krankheiten achten
Nach der Ernte sollten Sie den Baum nicht nur nach Schnittmöglichkeiten untersuchen.
Achten Sie auch auf:
- ungewöhnliche Verfärbungen,
- abgestorbene Triebe,
- Rindenverletzungen,
- vertrocknete Zweigspitzen,
- auffällige Flecken auf Blättern,
- ungewöhnliche Wucherungen,
- Anzeichen von Schädlingen.
Kranke Pflanzenteile sollten nicht einfach auf dem Boden unter dem Baum liegen bleiben.
Bei unklaren Symptomen ist es sinnvoll, die Ursache zunächst genau zu bestimmen, bevor Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt werden.
Sauberes Werkzeug ist besonders wichtig
Für den Schnitt sollten scharfe und saubere Gartenscheren oder Astsägen verwendet werden.
Saubere Schnitte heilen in der Regel besser als ausgefranste Schnittflächen. Bei größeren Ästen ist außerdem darauf zu achten, dass keine unnötig großen Wunden entstehen.
Nach dem Schneiden sollten Werkzeuge gereinigt werden, insbesondere wenn zuvor offensichtlich kranke Pflanzenteile entfernt wurden.
Wann sollte man lieber nicht schneiden?
Nicht jeder Zeitpunkt ist für jeden Schnitt gleichermaßen geeignet. Ein umfangreicher Rückschnitt sollte nicht spontan nur deshalb durchgeführt werden, weil gerade die Pflaumen geerntet wurden.
Bei starkem Hitze- oder Trockenstress sollte man größere Eingriffe möglichst vermeiden. Auch die jeweilige Pflaumensorte, das Alter des Baumes und sein Gesundheitszustand spielen eine Rolle.
Wer unsicher ist, sollte sich bei einem größeren Rückschnitt fachkundig beraten lassen.
Was sollte bis zum Herbst beobachtet werden?
Nach einem vorsichtigen Schnitt lohnt es sich, den Baum weiter zu beobachten.
Kontrollieren Sie regelmäßig:
- neue Triebe,
- die Entwicklung der Früchte bei spättragenden Sorten,
- Blätter und Zweige,
- die Feuchtigkeit des Bodens,
- mögliche Krankheitsanzeichen.
Besonders bei trockener Witterung sollte der Baum ausreichend mit Wasser versorgt werden.
Der richtige Schnitt stärkt die Baumkrone
Das Ziel sollte nicht darin bestehen, möglichst viele Zweige zu entfernen. Viel wichtiger ist eine ausgewogene und gut belichtete Krone.
Ein gezielter Schnitt kann dabei helfen, ungünstige Triebe zu entfernen und die vorhandenen Äste sinnvoll zu verteilen.
So bleibt der Pflaumenbaum übersichtlich und kann seine Energie besser in gesunde Triebe und die Vorbereitung auf die kommende Saison investieren.
Fazit
Nach der Pflaumenernte lohnt sich ein genauer Blick auf den Baum. Abgestorbene, gebrochene, sich kreuzende oder stark nach innen wachsende Zweige können bei Bedarf entfernt werden. Gleichzeitig sollte man gesunde Äste nicht unnötig abschneiden.
Wer beim Rückschnitt mit Augenmaß vorgeht, auf saubere Schnittflächen achtet und den Baum anschließend weiter beobachtet, schafft gute Voraussetzungen für eine gesunde Krone und eine erfolgreiche nächste Gartensaison.